Redakteur im Selbstversuch – Lemminge in den Medien
“Geocaching – die Trendsportart”, so liest man es im Moment jeden Tag in den Medien. Google Alerts meldet mehrmals täglich neue Artikel über die “digitale Schatzsuche” oder die “GPS-Schnitzeljagd”. Normalerweise suchen sich die Redakteure in einschlägigen Foren irgendwelche gutgläubigen Lemminge, die dann auch fein säuberlich die Dosen zeigen, Hinweise diktieren und Koordinaten abfotografieren.
Ein Redakteur der “Dithmarscher Landeszeitung” hat es gleich ganz anders gemacht. Ralf Tiessen berichtet in dem Zeitungsartikel von seinem Selbstversuch mit Handy-Navigation in Albersdorf und Wennbüttel.
Leider wird bei dem Trubel auch immer wieder vergessen, dass Geocaching nur im Verborgenen funktionieren kann. Sobald Verstecke oder deren Hinweis in der Öffentlichkeit bekannt gemacht wurden, besteht die Gefahr, dass diese von neugierigen Muggels aus Neugierde, Absicht oder Unwissenheit zerstört oder entfernt werden.
Die Gerätehersteller, Softwareprogrammierer und Mobilfunkunternehmen reiben sich die Hände. Jedes tragbare Gerät soll am liebsten mit einem GPS-Empfänger versehen sein. Das ist trendy und – wie ein Wunder – lässt den Umsatz steigen.
Wieviel Öffentlichkeitsarbeit kann Geocaching vertragen? Wie massentauglich kann Geocaching sein?
Deinem Link folgend konnte ich zwar keinen geocachingrelevanten Artikel finden, aber zum Thema an sich habe ich schon was zu berichten.
Wir waren ja letzten Sonntag mit einem SWR Team unterwegs um uns beim Geocaching filmen zu lassen. Auch uns war es ein Bedürfnis die Problematik “Spoilern” von Anfang an zu thematisieren und haben deshalb extra für die Sendung einen Cache gefaked. Schließlich ging es ja um die Sache und nicht um einen speziellen Cache. Das leuchtete dem verantwortlichen Redakteur auch ein.
Und weil wie die Dose eh fertig dabei hatten, haben wir in der Nähe des letzten Drehorts gleich noch einen Cache gelegt.
Wenn verantwortungsvoll mit der Materie umgegangen wird, also keine reiserischen Beiträge, sondern fundiete fundierte Berichterstattung gemacht wird, dann kann man eigentlich nichts dagegen sagen.
Der Link zum Selbstversuch ist aber seltsam… Stimmt der?
Geocaching funktioniert bereits öffentlich und keineswegs im Verborgenen – geocaching.com, opencaching.de, geocaching.de, das Grüne, das blaue Forum… usw.usf. – alles öffentlich, alles kein Geheimnis.
Nur die Verstecke müssen “geheim” bleiben. Und das funktioniert ja in der Regel auch trotz Medien. Jedenfalls bis zum nächsten Event…
Ich verstehe, das alte Hasen Angst davor haben, dass nun auch Erna Müller aus der bildungsfernen Schicht auf Satellitenpfaden wandelt, aber da hilft kein Jammern. Entweder man haut in den Sack oder man akzeptiert, das man nun kein exotisches Hobby mehr hat. Mit allen Nach- aber auch Vorteilen. Schließlich weiß man ja nie, ob durch Zeitungsbericht XY nicht gerade ein neuer Cachemessias gewonnen wird, der danach Dosen legt, bei denen uns allen die Ohren schlackern.
Leider hat die Zeitung den Artikel wieder aus dem Netz genommen. Somit erscheint jetzt ein anderer Artikel.
…so sindse, die alten Medien. Kaum linkt man sie, ziehen sie den Kopf ein.
Der Wunsch nach dem Tun im Geheimen erinnert mich ein wenig an das Kind, das sich die Augen zuhält und sagt: “Keiner sieht mich!”.
Geocaching war nie geheim. Vielleicht sollten sich diejenigen, die Geocaching nun gern vor anderen geheim halten würden, mal fragen, ob es nicht vielleicht ein Medienbericht war, der ihn/sie drauf gebracht hat. Das wird bei nicht wenigen so gewesen sein.
Im Hintergrund des Geheimhalte-Wunsches steht doch wohl eher die Befürchtung, dass durch zu viele Geocacher Schaden angerichtet wird, mittelbar durch eventuelle Regulierungswut von Behörden oder gc.com, und unmittelbar durch eine angenommene “Verflachung des Niveaus” und eine gewisse Entmystifierung.
Ich denke, die Schere geht sicher in zwei Richtungen auf: Es gibt mehr “schlichtere” Gemüter, aber auch mehr richtig tolle Geister mit super Cache-Ideen. Mehr Vielfalt, die man nicht mögen muss, der man aber kaum ausweichen kann, indem man sie sich einfach wegwünscht.