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Deutschland ist (nicht wirklich) frei von Tollwut

Wildtollwut - gefährdeter BezirkIm Sommer 2008 ging es durch die Presse: Deutschland sei frei von Tollwut. Dies sei ein Beispiel für die erfolgreiche Tierseuchenbekämpfung im Wildtierbereich, denn seit 1985 wurden “Hühnerkopfköder” mit einem Lebendimpfstoff von Flugzeugen abgeworfen oder im Wald abgelegt. Klingt gut – aber was steckt wirklich dahinter?

Das “aber” wurde allerdings bei der Schlagzeile vergessen. Leider ist das nämlich nur die halbe Wahrheit. Die Tollwutfreiheit bezog sich nämlich nur auf die heimischen Füchse.

Während die Tollwut zur Mitte des vorigen Jahrhunderts eher ein Problem der Haustiere darstellte, wandelte sich dies mit dem Ende des zweiten Weltkriegs. Der Rotfuchs verbreitete die Viruserkrankung durch ganz Deutschland. Mitte der 1970er Jahre war Mitteleuropa fast vollständig betroffen.

Die Wildtiertollwut sollte zunächst durch Dezimierung der Tierpopulation bekämpft werden, doch dies mißlang. Eine Unterbrechung der Infektkette war hierüber nicht möglich. Auch die hormonelle Sterilisation, das Auslegen von Giftködern oder die Fuchsbaubegasung führten nicht zum erhofften Erfolg – waren zudem auch aus Tierschutzgründen bedenklich.

Fälle von Fledermaustollwut in Deutschland

Häufung von Fledermaustollwut in Norddeutschland, Quelle: FLI

Mit Entwicklung des Tollwut-Lebendimpfstoffes und der zum Teil großflächigen Abwürfe von Ködern aus Flugzeugen wurden dann Mitte der 1980er Jahre große Erfolge erzielt. Bei den Abwürfen der Köder per Flugzeug wurde übrigens bereits das GPS-Signal zur Positionsbestimmung benutzt, um den Ködereinsatz zu optimieren.

Der letzte Tollwutherd wurde dann im Jahr 2006 beobachtet. Somit hatte Deutschland die internationalen Kritieren zur Tollwutfreiheit erfüllt. Doch die Tollwutfreiheit nach Kritieren der Weltgesundheitsorganisation WHO wird weiterhin nicht erfüllt.

Das Problem ist die Fledermaus-Tollwut, die signifikat häufiger im norddeutschen Flachland vorkommt. Bei der Breitflügelfledermaus wurden die Viren am häufigsten nachgewiesen.

Üblicherweise geht von den Fledermäusen keine Gefahr für den Menschen aus, da alle in Europa vorkommenden Fledermäuse Insektenfresser sind. Vor blutleckenden Vampiren muss man also hierzulande keine Angst haben.

Allerdings kommt es hin und wieder dennoch zum Kontakt mit Fledermäusen, z.B. wenn geschwächte oder erkrankte Tiere aufgefunden werden.

FledermausDie Tiere verfügen über ein spitzes Insektenfresser-Gebiß, daher sollten zum Eigenschutz auf alle Fälle – sofern man das Tier anfassen muss – dicke Garten- oder Arbeitshandschuhe getragen werden.

Aber Vorsicht: oft bleiben Fledermaus-Bisse aufgrund der feinen Zähne unbemerkt.

Der Naturschutzbund Schleswig-Holstein (NABU) bietet neben einem Einmaleins für Fledermausretter auch eine telefonische Hotline für den Fundtier-Notfall an.

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